Lasso-Luna legt los: Tohuwabohu im Großraumbüro

Luna hatte einen ganz eigenen Stil. An diesem Morgen stand sie vor dem Spiegel, zog ihre Leo-Hose an, setzte ihren Cowboyhut auf und schnappte sich den Autoschlüssel. Ihr treuer Wagen – ein alter, leicht verbeulter Haudi A4 – wartete schon draußen. Auf dem Dach war ein gigantischer Cowboyhut angebracht und der Lack war Leo-Grün.

Als Luna losfahren wollte, erstarrte sie plötzlich.
„Mein Lasso!“

Ohne ihr Lasso fühlte sie sich einfach nicht komplett. Also galoppierte sie wieder ins Haus, suchte unter dem Ledersofa, hinter der Garderobe und schließlich im Wäschekorb. Dort lag es tatsächlich, ordentlich zusammengeknotet zwischen zwei Socken.

Als sie endlich wieder im Auto saß und zur Arbeit fuhr, war es allerdings schon zu spät. Viel zu spät.

„Howdy, Partner!“ Rief Luna euphorisch, als sie im Büro ankam, doch dort erwartete sie bereits eine böse Überraschung: Lunas Chef, Herr Sattelmann, stand bereits mit verschränkten Armen an ihrem Schreibtisch, der das Chaos des Wilden Westen widerspiegelte.

„Luna! Schon wieder zu spät“, sagte er streng. „Das ist heute wirklich der Gipfel.“

Luna seufzte, setzte ihren Cowboyhut etwas zurecht und murmelte:
„Es gab… äh… ein Lasso-Problem.“

Herr Sattelmann verstand natürlich kein Wort davon und begann eine lange Rede über Pünktlichkeit und Verantwortung. Während er sprach, wedelte er mit einem Stapel Papier in der Luft.

Luna hörte nur halb zu. Stattdessen dachte sie:
Der bewegt sich wie ein wildes Pferd…

Und bevor ihr Gehirn den Gedanken stoppen konnte, passierte es.

Schwung.

Das Lasso flog durch die Luft, machte eine perfekte Schleife – und landete direkt um Herrn Sattelmanns Oberkörper.

Stille.

Im ganzen Büro starrten alle auf die Szene: Luna in Leo-Hose und Cowboyhut, mit gespanntem Lasso in der Hand… und der Chef, der nun ziemlich überrascht mitten im Raum feststand.

„Luna…“, sagte er langsam. „Warum haben Sie mich… eingefangen?“

Luna zuckte mit den Schultern.
„Reflex.“

Fünf Minuten später saß sie wieder draußen in ihrem Haudi A4. Das Plüschlenkrad war noch warm von der Hinfahrt.

In ihrer Tasche lag ein Brief.

Kündigung.

Luna seufzte kurz, setzte ihren Hut etwas tiefer ins Gesicht und grinste dann.

„Na ja“, sagte sie zu sich selbst. „Zumindest war es ein perfekter Wurf.“